Reinigungschemie, Umweltverträglichkeit

Vier Faktoren sind es, welche für den Erfolg einer Reinigung bestimmend sind:

  • Zeit: Einwirkungsdauer
  • Mechanik: physikalische Einwirkung in Form von Bürsten, Reiben, Schleifen, Polieren ... auch der Kälteschock sowie zum Teil Dampf und Ultraschall gehören hierher.
  • Temperatur: Jede Anwendung hat eine ideale Verarbeitungstemperatur mit mehr oder weniger Abweichungstoleranz.
  • Chemie: Hier liegt das eigentliche Gefährdungspotenzial für Mensch und Umwelt. Nachfolgend aufgelistete Schlagwörter sollen zumindest die wichtigsten Begriffe erörtern.

Wasser:
verdünnt, löst und hilft beim Abtransport.

Katalysator:
wirkt wie ein Werkzeug, welches hunderte Moleküle aufzuspalten in der Lage ist. Chemisch oder biotechnologisch hergestellte Katalysatoren. FCKW (chem. Kat.) zählen dazu, ein Negativbeispiel für ungewollten durchschlagenden Erfolg. Als Treibmittel für Spraydosen eingesetzt, fressen sie uns jetzt Löcher in die Ozonschicht.

Enzyme:
Positivbeispiel für biotechnolog. Katalysatoren. Hier wurde die Natur kopiert. Man lässt Enzyme, so wie wir sie auch in Magen und Darm für die Verdauung haben, arbeiten. Eiweißspalter, Fettspalter ... insgesamt fünf Gruppen mit hunderten "Individuen". Ein Enzym spaltet ganz spezifisch jeweils nur bestimmte Moleküle. Vorstellbar wie Schlüssel und Schloss.

Tenside:
grenzflächenaktive Flüssigkeiten, welche in der Lage sind, Verschmutzungen zu unterwandern. Durch Herabsetzen der Oberflächenspannung des Wassers dringen sie zwischen Schmutz und Oberfläche ein und sorgen so für ein Loslösen. Problematisch bei Entsorgung über Kanal (Teppich-Nassreinigung). Die Zerfallszeit dauert im Mittel 60 Tage. Bis dahin findet man sie nach der Kläranlage schon längst im Fließgewässer, wo sie die Atmung der Kiemenatmer behindern. Viel besser ist ein Binden an organische Masse (Teppichgranulat bei Pulverreinigung). Granulat wird kompostiert und stellt keine Gefahr für Grundwasser dar.

Absorbens, Komplexbildner:
von der Idee her das Gegenstück zu Microspaltung. Es werden Riesenmoleküle gebildet. Auf verschiedenen Wegen möglich: Ausfällung, Polyaddition, Kristallisation.

Microspaltung:
"Scheibchenweises" Abspalten der Verschmutzung auf dem Wege von entweder Salzbildung (Phosphate) oder enzymatisch.

Lösemittel:
Sammelbegriff für destillierte Produkte, dünnflüssig, farblos, stechend riechend. Gesundheitsschädlich. Merkmal: sind zumeist im Blechgebinde oder Glas, weil Plastikbehälter nicht standhalten würden. Haben die Aufgabe, in Oberflächen einzudringen, entweder um für Grundierung/Verbindung mit nachfolgenden Anstrichen zu sorgen oder um spezifische Verschmutzungen (Fette, Harze, Teer, Kunststoffe) zu lösen.

Säuren:
Nichtmetalloxide, in Wasser gelöst. Wirken ätzend, sehr reaktionsfreudig, sind mit dem Geschmackssinn eindeutig zu erkennen. Säuren der Salzsäure, der Essigsäure, Zitronen, Schwefel, Salpeter ... Entsorgung problematisch, weil in der Kläranlage die Gärung im sauren Milieu abläuft. Kommt nun ein Schub Säure dazu, kippt die Gärung, Mikroorganismen können nicht mehr.

Laugen:
auch Basen oder Alkalien genannt. Leichtmetalloxide, in Wasser gelöst. Kalilauge, Natronlauge ... Sehr reaktionsfreudig, das Gegenteil von Säuren. Säure und Lauge gemischt ergibt eine heftige Reaktion, es entsteht Salz. Lauge, über die Kanalisation entsorgt, wird in der Kläranlage neutralisiert, es entsteht dort ein Salz, welches im Klärschlamm verbleibt und diesen ökologisch belastet.

pH-Wert:
Messwert für den Grad der Aggressivität von Lauge oder Säure. Dieser Wert errechnet sich aus dem Gehalt an Wasserstoffionen, wobei jede Zahl eine Zehnerpotenz ausdrückt. Das Spektrum reicht von 0 bis 14. In einer Lauge mit z.B. pH 11 finden sich 10 x mehr Wasserstoffionen als in einer mit pH 10. Weniger als Null und mehr als 14 sind in der Natur und auch theoretisch nicht möglich. In der Mitte, bei 7, liegt der neutrale, ungefährliche Bereich.

Säuren finden sich im Bereich von 0 bis 7. Weisen also ein "Defizit" an H+-Ionen auf. Basen, von 7 bis 14, weisen einen Überschuss auf. Daher die Reaktionsfreudigkeit, was sie zum Einsatz für Reinigungszwecke prädestiniert.

Oxidationsmittel, Reduktionsmittel:
wirken über Anlagerung oder Abspaltung von Sauerstoff. Ätzend, verhältnismäßig leicht ökologisch unschädlich zu machen, aber Schutzmaßnahmen bei Anwendung notwendig.

Schaum:
keine chemische Kategorie, sondern ein Wirkungsprinzip. Wird ausgenutzt für Haftung an Oberflächen, wo Flüssigkeiten sonst abfließen würden (verflieste Wände), oder als Quellungshilfe in Textilien (Polstermöbelreinigung).

Allergieauslösende Substanzen:
Unser Immunsystem ist ständig auf der Suche nach Feinden. Kommt unser Körper nun in Berührung mit neuen unbekannten Stoffen, kann sich daraus ein Feindbild, eine Allergie entwickeln. Häufig lösen Riechstoffe und Farben Allergien aus. Alle Generationen vor uns waren damit nicht konfrontiert, konnten diese Molekülstrukturen nicht als ungefährlich kennen lernen. Die Ironie dabei ist, dass diese Zusätze zumeist mit dem Produktnutzen oder Zweck nichts zu tun haben, sondern dazu da sind, uns über Geruch, Farbe und evtl. Geschmack zum Kauf zu verführen.

Diese ungeordnete Auflistung und Vermengung von Dingen, die eigentlich nicht zusammengehören, soll vorab häufig gestellte Fragen beantworten. Umweltschutz ist - neben der persönlichen Einstellung dazu - auch eine Frage des theoretischen Verständnisses. In diesem Sinne die freiwillige Verpflichtung zu "best practice". Das bedeutet Aufklärung und Beratung des Kunden über alle Aspekte. Verlängerte Nutzungsdauer und angewandter Umweltschutz nach den Kriterien der GSS-Zertifizierung.

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